Augenblick mal!

Aktualisiert: Apr 7

Wie du lernen kannst, mit deinem Pferd über Blicke und Zwinkern zu kommunizieren.


Hast du schon einmal ausprobiert, deinem Pferd mit deinem Zwinkern und einem zielgerichteten Blick zu sagen, was du von ihm möchtest? Ich möchte dich einladen, alles, was du über Pferdetraining je gelernt hast, einmal für ein paar Minuten über Bord zu werfen und etwas Neues auszuprobieren.


Zum Einstieg schau dir gerne das Video an, ich habe es kommentiert. Geschnitten habe ich es nur, um die Texte einzufügen und einige Momente auf Zeitlupe zu stellen, die Szene ist also durchgängig:



Und so ging es mir, als ich das erste Mal die Feinheit der Kommunikation über Augen-Blicke erfahren habe:


Es gibt kleine Momente, die eine ganz große Wirkung haben. Meist sind wir nicht darauf vorbereitet und oft entgleitet uns die Botschaft unbemerkt, weil wir mal wieder mit etwas ganz anderem beschäftigt sind oder die Pferdesprache noch nicht beherrschen. Fast wäre mir das auch passiert. So unscheinbar war der Moment von außen betrachtet... Meine Stute Winterblume hob interessiert den Kopf, als ich sie rief. Aber anders als sonst, kam sie nicht auf mich zu. In der Liegehalle war gerade Mittagsschlaf angesagt. Ich dachte, sie wäre nicht bereit mit mir zu kommen, blieb aber noch einen Moment stehen und wartete. Nichts passierte. Dann fiel mir auf, dass ich vielleicht nicht deutlich genug kommuniziert hatte, was ich eigentlich von ihr wollte. Daraufhin hatte ich eine Idee und schaute sie aus der Ferne ein paar Sekunden intensiv an und ließ dann meinen Blick langsam von ihr zur Türe gleiten. Es dauerte keine 2 Sekunden, bis sie sich in Bewegung setzte und auf mich zu kam. Zufall? Vielleicht. Aber das Timing, der Flow sagte mir: Das war KOMMUNIKATION. Wie gesagt, fast hätte ich es selbst gar nicht registriert, aber beim Aufhalftern wurde mir schlagartig bewusst, was dieses Erlebnis bedeutete, sofern es reproduzierbar und kein Zufall ist. Wenn DAS funktioniert, was bedeutet das umgekehrt für all die Situationen, in denen wir in der Weltgeschichte umhergucken wie Hans-Guck-in-die-Luft und von den Pferden erwarten uns ihre ungeteilte Aufmerksamkeit zu schenken?


Probiere es einfach mal aus. Stelle dich in ca. 1 Meter Entfernung neben den Kopf des Pferdes, so dass ihr in die gleiche Richtung schaut, und zwinkere mit leicht gesenktem Kopf ein paar Mal. Mache eine Pause und warte ab. Wenn dein Pferd entspannt ist (das ist die Grundvoraussetzung) und ihr in Verbindung seid, wird das Pferd auch zwinkern. Darauf kannst du dann wider antworten und so weiter. Wahrscheinlich reagiert dein Pferd nach einiger Zwinkerei sogar mit Gähnen oder kauen. Zwinkern mit leicht gesenktem Blick bedeutet nämlich: "Ich habe keine schlechte Absicht." oder "Ich entschuldige mich." oder "Lass uns gemeinsam entspannen.". Möglicherweise braucht dies ein paar Wiederholungen an verschiedenen Tagen und zu verschiedenen Gelegenheiten. Achte auch darauf, dass du das Zwinkern deines Pferdes beantwortest. Wenn ihr eine gute Zwinkerverbindung aufgebaut habt, dann schaue doch einmal vom Boden 3 Sekunden lang in das Auge deines Pferdes und dann nach vorne, dahin, wo du jetzt gerne hin gehen möchtest (ca. 3 m Entfernung) und verbinde das mit ein bisschen Energie in deinem Körper und vielleicht einem Schnalzen. Möglicherweise versteht dein Pferd, was du von ihm möchtest. Achte darauf, wie sich diese Kommunikation für dich anfühlt. Ist es anders als sonst, wenn ihr gemeinsam losgeht?


Genauso gut kannst du, so wie oben beschrieben, dein Pferd rufen, wenn es ein paar Meter von dir weg steht und abwechselnd in sein Auge und zum Boden vor deinen Füßen schauen. Wiederhole das in aller Ruhe mindestens drei Mal. Kommt dein Pferd nicht auf dich zu - bitte lächeln und mit "ach wie interessant" für diesen Moment abhaken. Probiere es bei nächster Gelegenheit direkt wieder aus, versuche aber kein Training daraus zu machen. Es geht nicht darum, deinem Pferd etwas beizubringen, sondern darum, dass dein Pferd versteht, dass du mit ihm kommunizierst. Manchmal glauben Pferde uns nicht sofort, dass wir plötzlich auf pferdisch mit ihnen sprechen - verständlich irgendwie, wenn das bisher nie geschehen ist. Wenn es trotzdem noch nicht klappt, kannst du mal mit einer Freundin oder einem Freund üben, euch pantomimisch durch die Halle zu bewegen.


Teile gerne deine Erfahrungen mit "geteilten Augen-Blicken" mit deinem Pferd im Kommentarfeld. Ich freue mich darauf und sage danke!


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