Über Magenschmerzen beim Pferd und unseren Umzug in den "kleinen Trail im Wald"

Aktualisiert: Mai 30

Magengeschwüre betreffen Sport- und Turnierpferde und vielleicht noch Freizeitpferde mit ungesundem Fütterungszeiten dachte ich - bis Plume d´ange, meine Schimmelstute, mich eines besseren belehrte. Nachdem mich der Gedanken nicht mehr los gelassen hatte, dass ihre Mattigkeit und das Bewegungsmuster, das ich schon seit Wochen beobachtete (im Trab hängender Bauch und Rücken, extrem schlurfende Vorderbeine, absolut schwunglos), könne mit einer Magenproblematik zusammenhängen, fütterte ich ihr ein Präparat zur Pufferung der Magensäure.


Bereits nach weniger als 14 Tagen war Plume wieder die Alte. Sie war einfach wieder da. Wach, aufmerksam und gut drauf. Der Trab war noch nicht so, wie ich es mir erhoffte, aber immerhin wieder als solcher zu erkennen. Circa 5 Wochen lang gab ich ihr den Säurepuffer, ein freiverkäufliches Produkt zur Nahrungsergänzung. Ich unterstützte die Wirkung mit "Schlonzi" und Lein- bzw. Flohsamenschalen und später auch mit einer Kräutermischung.


Praxis-Tipp:

Mein Schlonzi-Rezept zur Unterstützung der Magenschleimhaut (am besten aufgeteilt auf mehrere Portionen pro Tag füttern).

Zutaten: 100 g (2 - 3 Handvoll) Haferflocken, 100-200 g Rübenschnitzel, dazu Flohsamenschalen oder Leinsamen (Menge am besten nach Anweisung des Herstellers) mit heißem Wasser aufgießen und quellen lassen (bei Rübenschnitzeln in Pelletform auf ausreichend Wasser und Quellzeit achten, oder noch besser nicht pelletierte Schnitzel verwenden), abkühlen lassen auf ca 40 Grad, dann noch einen guten Schuss Leinöl darüber geben und nach Bedarf Mineralfutter oder (Magen-) Kräuter untermischen.


Das Öl bildet zusammen mit den Haferflocken einen ß-Glucanhaltigen Schleim, der die Innenwand des Pferdemagens auskleidet und sie so vor der Magensäure schützt. Die Rübenschnitzel können auch durch Luzerne- oder Heucobs ersetzt oder ergänzt werden. Auch Magenkräuter wie Fenchel, Kamille, Süßholz oder Kümmel können zum Schlonzi hinzugefügt werden. Einen zusätzlich positiven Effekt bringen auch Leinsamen oder Flohsahmenschalen, die eine gute schleimbildende Wirkung besitzen und somit vorteilhaft für die gereizte Magenschleimhaut sind. Diese Behandlung ersetzt natürlich keinen Tierarzt und ist keine ist alleinige Therapie für magenkranke Pferde. Die ersten 14 Tage habe ich das Magenpräparat eigentlich zur Diagnostik gegeben. Da ich Plume keine aufwändige und riskante Magenspiegelung zumuten wollte, halte ich dies für ein adäquates Mittel, um herauszufinden, ob ich mit meiner Vermutung auf der richtigen Fährte war. Dies setzt allerdings voraus, dass man sein Pferd gut kennt, die Zeit hat es regelmäßig zu beobachten und ein geschultes Auge hat.

Die Magensäure zu puffern konnte für mich allerdings nicht die Lösung auf Dauer sein. Daher habe ich überlegt, was wohl die Ursache für Plumes Beschwerden sein könnte und was ich verändern könnte, damit sie wieder gesund wird. Ihre aktuelle Haltung im geräumigen Paddock-Trail mit Heu ad Libitum war eigentlich kaum zu toppen... aber HALT. Ich hatte eine Idee! Bereits im letzten Jahr habe ich damit geliebäugelt Plume in den kleinen Trail im Wald umziehen zu lassen, der auch zum Hof gehört, aber ein wenig abseits liegt. Damals hatte ich mich noch dagegen entschieden, weil ich mein Pferd nicht aus ihrer Herde herausreißen wollte. Ich hatte Sorge, dass dieser Umzug mehr mir als ihr dienen würde, denn in dem kleinen Trail wohnen 4 Pferde, die sehr lange schon sehr eng zusammen gehören. Ich dachte damals, sie wäre dann wahrscheinlich das fünfte Rad am Wagen. So denken wir Menschen. Nun, nach der Magengeschichte tat sich mir ein anderer Blickwinkel auf. Ich hatte die Hoffnung, dass die Ruhe und Kontinuität der kleinen Herde Plume sehr gut tuen würde und sie dort wahrscheinlich auch weniger Stress an der Heuraufe mit den anderen Pferden haben würde.


Gedacht getan, sprach ich alles ab und einige Wochen später ist Plume dann schon umgezogen. Der "kleine Trail im Wald" ist nur ca. 300 Meter entfernt von dem Hof, auf dem Plume schon seit fast 9 Jahren zu Hause ist. Ihre "alten" Freund sieht sie täglich. Trotzdem ist es ihr schwer gefallen. Ich hatte zuvor immer den Eindruck, dass sie kaum Freunde hat in der gut 20 pferdeköpfigen Stutengruppe. Trotzdem hat sie die anderen Pferde in dieser Zeit sehr vermisst und vermutlich auch nicht verstanden was ich da mit ihr vorhabe. Sie wollte immer wieder mit mir nach Hause, wenn ich weggegangen oder gefahren bin. 14 Tage habe ich sie in Ruhe gelassen mit ihrer neuen Herde und war einfach nur da, habe abgeäppelt und die Pferde beobachtet. Ich genieße die Zeit im Wald sehr und bin glücklich wieder ein wenig für die Versorgung eines meiner Pferde selbst verantwortlich zu sein.


Zu diesem Zeitpunkt wusste ich bereits, wie ich mit meiner Präsenz und Körperübungen Pferden helfen kann zu entspannen und ihre innere Ruhe (neutral null) zu finden. Ich hatte vor kurzem erst erfahren, wie schön es war meinem Pferd Blume helfen zu können, während ihres Klinikaufenthaltes (nach einer Griffelbein OP) wenigstens für ein paar Minuten täglich ganz tief zu entspannen. Sie war sehr aufgeregt und besorgt in dieser einen Woche in der Klinik und kam überhaupt nicht zur Ruhe. Aber ich hatte noch nie darüber nachgedacht, ein Pferd darin zu unterstützen Kontakt zu Artgenossen zu finden. Die Situation, die ich in Plumes neuer Herde erlebte, erinnerte mich an die Eingewöhnung von kleinen Kindern in den Kindergarten nach dem sogenannten Berliner Modell. Danach verbringt die Mutter in den ersten Tagen täglich eine Stunde gemeinsam mit dem Kind in der Spielgruppe. So kam ich mir also vor, als ich Plume im übertragenen Sinne an die Hand nahm und in ihre neue Herde begleitet.


Plume tut sich oft schwer Anschluss bei anderen Pferden zu finden. In der Situation, die du im kurzen Video siehst, stand sie erst 2 Tage in der neuen Herde und fühlte sich sich eindeutig sicherer, wenn ich bei ihr war. Der Chef der Herde ließ sie schon recht dicht heran und alle waren freundlich zu ihr. Trotzdem, immer, wenn sie mein Auto hörte, kam sie zum Tor getrabt und wich mir so schnell nicht mehr von der Seite. Und so kam ich an diesem Tag auf die Idee sie zur Herde zu begleiten, die geschlossen an der Heuraufe stand. Bei meiner Ankunft war Plume sehr aufgeregt, 10 Minuten später stand sie zwischen den Pferden an der Rauf und hat entspannt gefressen, auch als ich mich wieder entfernt habe.


Ich glaube wir sollten die Pferde viel öfter selbst entscheiden und machen lassen, was sie möchten, nicht ständig eingreifen und sie weniger bevormunden beziehungsweise bemuttern, aber dieses Beispiel hat mir gezeigt, wie schön es sein kann mithilfe der Pferdesprache und -kommunikation Pferden dabei zu helfen persönlich zu wachsen und ihnen zu dienen.

Während Plumes erster Woche in der neuen Herde hatte ich mein erstes Treffen mit Paul. Paul unterstützt mich bei den Videoprojekten und wir wollten ein paar Probeaufnahmen machen. Dabei ist ein Video entstanden, aus dem ich dir einige Ausschnitte des oben beschriebenen Tages zeigen kann.

0 Ansichten
 

CHRISTINA LAMSAL 

  • Facebook

01729922776

Montessoriweg 31, 46282 Dorsten

©2020 Christina Lamsal